Ein Tag bei uns im Wald

 

Begrüßung

Ein Tag im Wald bei uns beginnt mit der Ankunft der Kinder zwischen 8 Uhr und 8.45 Uhr, wobei wir Wert auf ein achtsames Begrüßen legen. Wir als Team sind präsent und da, versuchen uns aber bewusst im Hintergrund zu halten und die Kinder in Ruhe ankommen und sich einfinden zu lassen, jedes auf seine Art. Wir stehen den Kindern zur Seite und begleiten sie bei Bedarf in die Gruppe. Wir freuen uns, wenn die Kinder auf uns zukommen und uns begrüßen, bevor sie sich in ihre Aktivitäten stürzen. Diese Phase stellt eine erste, recht wichtige Phase sowohl für die Kinder als auch für die Erzieher dar. Sie sollte nicht durch zu langen Austausch zwischen Eltern und Erziehern unterbrochen werden, sondern dieser sollte lieber ans Tagesende verschoben werden.

 

Morgenkreis

Dann beginnt der Morgenkreis. Wir sammeln uns und nehmen uns erstmal als gesamte Gruppe wahr: Wer ist anwesend, wer fehlt? Wir begrüßen uns und beginnen den Tag gemeinsam mit Liedern und Spielen.

Der Morgenkreis ist ein wichtiges Strukturelement im Waldkindergarten, der uns als Gruppe zusammenführt, uns Orientierung gibt und auf den Tag einstimmt. In ihm lernen die Kinder weitere wichtige Dinge wie Zuhören, selbst vor einer Gruppe zu sprechen, sich zu konzentrieren, sich einzulassen. Einigen Kindern fällt die Kreisform und das Sprechen vor der Gruppe, wobei man von allen gesehen wird, gar nicht so leicht!

Der Morgenkreis folgt einer bestimmten Struktur, die den Kindern Orientierung und Sicherheit gibt. Die jeweiligen Dran-Komm-Kinder, die am Morgen von den Erziehern ausgesucht wurden, dürfen ein Stück mehr Verantwortung übernehmen, die Kerze ganz zu Anfang anzünden und eine Perle auf die Monatsschnur fädeln. Sie zählen die Kinder durch und zeigen mit ihren Fingern die Anzahl der anwesenden Kindergartenkinder. Gemeinsam berechnen wir, wie viel Kinder fehlen und schauen uns im Kreis um wer fehlt. Mit einem Begrüßungslied beginnen wir den Tag. Der Morgenkreis gestaltet sich thematisch und spielerisch je nach Jahreszeit oder gegebenen festlichen Anlässen. Zum Abschluss wird die Kerze wieder von den Dran-Komm-Kindern ausgeblasen und damit der Morgenkreis offiziell beendet.

 

Weg

Nach dem Morgenkreis machen wir uns meist auf den Weg an einen Waldplatz, über den wir vorher gemeinsam abgestimmt haben. Hierbei lernen die Kinder demokratische Gesellschaftsformen. Je nach Wetter und Distanz nehmen wir entweder die Rucksäcke mit oder lassen sie am Bauwagen zurück. Die Paten helfen ihren Patenkindern beim Anziehen der Rucksäcke. Das gegenseitige Helfen und Aufeinander Achten ist ein wichtiger Punkt im sozialen Miteinander. Die Großen lernen Verantwortung zu übernehmen und die Kleinen lernen sich Hilfe zu holen.

Auf dem Weg selbst dienen verschiedene bekannte Stationen als Haltestellen, die die Kinder schnell kennen lernen und die wichtige Elemente bei Ausflügen in Waldkindergärten sind. Dort warten wir alle aufeinander. So kann jeder in seinem eigenen Tempo laufen, was wichtig ist, denn bereits auf dem Weg können wichtige soziale Interaktionen stattfinden.

 

Freispiel

Das Freispiel stellt ein wesentliches Element des Waldkindergartens dar. Hier bekommen die Kinder Raum in sozialen Interaktionen ihrer Fantasie und ihrer aktuellen Lebenswelt spielerisch Gestalt zu verleihen und sich auszuprobieren. Dabei stellt der Waldkindergarten eine Besonderheit dar, da im spielzeugfreien Raum die Kreativität der Kinder gefragt ist. Was ein Stock alles bedeuten kann, erfährt in dieser Intensität wahrscheinlich nur ein Waldkind. Gleichzeitig sind die anderen Kinder als Spielpartner sehr wichtig und die soziale Interaktion wird im spielzeugfreien Raum besonders gefördert.

Wir als Betreuer schätzen die Bedeutung des Freien Spiels hoch ein, begleiten es beobachtend oder setzen hier und da Impulse. Wir sind für die Kinder da, wenn sie uns brauchen, geben Anreize zum Spielen oder Hilfestellung bei der Konfliktbewältigung, legen aber auch großen Wert darauf, den Kindern ihren eigenen Erfahrungsraum zu gewähren. Wir spielen bei Bedarf auch mal mit, versuchen dann aber, uns bald aus dem Geschehen wieder zurückzuziehen und das Spiel den Kindern zu übergeben.

Gerade in unserer Gesellschaft, in der wir ständig unter Beobachtung stehen, soll den Kindern zumindest hier Raum für eigene Erfahrungen und die Möglichkeit zur Selbsterfahrung und Selbstentfaltung gegeben werden. Die Kinder sollen eigene Erfahrungen sammeln dürfen, sich in sozialen Rollen ausprobieren und auch mal im Versteck Geheimnisse austauschen können. Dabei sind wir Erzieher präsent und stehen als Ansprechpartner schützend zur Verfügung.

Die Kinder werden in der reizarmen Umgebung, in der man nicht von vorgefertigten Spielsachen überflutet wird, stark dazu angeregt selbst kreativ und aktiv zu werden. Sie lernen ihrer Fantasie Gestalt zu verleihen und die allgemeine Problemlösekompetenz wird geschult.  

 

Händewaschen und Frühstück

Nach dem Freispiel wird gemeinsam gefrühstückt. Je nach Jahreszeit findet das Frühstück draußen oder drinnen, im Bauwagen, statt. Auch hier folgen wir festen Ritualen, die den Kindern Sicherheit und Stabilität geben.

Vor dem Frühstück waschen wir uns die Hände, ein Ritual, das die Kinder möglichst selbständig durchführen sollen. Die Dran-Komm-Kinder stehen hier wieder in der Verantwortung sich nach dem Auspacken zwei Helferkinder auszusuchen, mit denen sie sich an die Waschstation stellen. Die Hände werden mittels Wasser (im Winter warmes Wasser), Lavaerde und einer Nagelbürste zum Händeschrubben gewaschen und mit einem Handtuch abgetrocknet. An jeder Station steht ein Kind. Das Händewaschen sollte möglichst eigenständig funktionieren und läuft routinemäßig immer gleich ab.

Wir fangen das Frühstück gemeinsam an und beginnen mit einem Frühstücksspruch. Davor wird jedem Kind,  begleitet von einem Spruch, ein Töpfchen Öl in die Hand gegeben, das es verreiben kann. Dieses Ritual bringt wieder Ruhe in die Gruppe und sammelt uns zum Frühstück. Ab der Mitte des Jahres wird die Aufgabe des Öltröpfchenverteilens an die größeren Schulanfänger abgegeben.

Wir beenden das Frühstück gemeinsam mit einem kleinen Abschlussspruch. Danach sollen die Kinder wieder selbständig ihre Vespersachen einpacken und ihre Rucksäcke aufräumen und können ins Freispiel gehen.

 

Geschichte und Abschlusskreis

Zum Abschluss eines jeden Waldkindergartentags lesen wir eine Geschichte vor, die sich auf das aktuelle Kindergartenthema bezieht oder frei gewählt werden kann.

Dieses Ritual bringt uns nochmal alle zusammen und ermöglicht uns einen gemeinsamen Tagesabschluss.  Gemeinsam erleben wir die Abenteuer und Geschichten anderer, fiebern mit, fühlen mit und tauschen uns aus. Auch dieser Ablauf folgt festen Ritualen: Vor der Geschichte wird meist das Spielgeschehen des Tages im Gespräch kurz zusammengefasst und von den Kindern erzählt (wo ist was gelaufen?), gefolgt von der Eingangsmusik für die Geschichte, indem das Dran-Komm-Kind auf der Zanzula spielen darf, und dann wird vorgelesen. Das Vorlesen ist ein wichtiger Bestandteil in der Lesesozialisationsforschung und beim literarischen Lernen. Das wichtigste Merkmal beim Vorlesen ist tatsächlich die emotionale Nähe und Verbundenheit, die dabei entsteht. Darüber hinaus wird natürlich die Aufmerksamkeit und Konzentration geschult sowie die Fantasie und Empathiefähigkeit beim Einlassen in fremde Geschichten sowie die Sprachkompetenz. Zum Abschluss der Geschichte wird wieder die Zanzula gespielt und wir singen ein gemeinsames Abschlusslied.  

 

Mittagsgruppe

Der Kindergarten hat verlängerte Öffnungszeiten, die von 13.00 Uhr bis 14.00 Uhr gehen. In dieser Zeit essen wir mit der Mittagsgruppe, die über die Zeit bleibt, gemeinsam ein zweites Frühstück und haben noch etwas Luft am Bauwagen zu spielen oder zu werkeln.